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Das Auge der Götter

Bereits mit meiner Kurzgeschichte „Musik der Finsternis“, einer Hommage an H. P. Lovecrafts „Die Musik des Erich Zann“ habe ich meine Begeisterung für diesen wegweisenden Horror-Autor zum Ausdruck gebracht. Umso erfreuter war ich, dass es vermutlich diese für den Vincent Preis nominierte Geschichte war, die mir eine Einladung für ein äußerst spannendes Anthologie-Projekt bescherte. Denn niemand geringeres als Uwe Voehl bot mir an, einen Beitrag für die im Basilisk Verlag erscheinende Geschichtensammlung „Kingsport: Ein Reiseführer“ zu verfassen. Eine Geschichte, angesiedelt in einer der mystischsten und geheimnisvollsten Städte des Lovecraft-Universums. Wie konnte ich da widerstehen?
 
Und so entstand (die mit 45 Seiten nicht ganz kurze Erzählung) Das Auge der Götter. Die Geschichte eines sagenumwobenen Hauses, mystischer Artefakte und längst vergessener Gottheiten.
 
Jedem, der sich auf die Reise an diesen verwunschenen Ort begeben möchte, sei die Print-Ausgabe des Buches wärmstens ans Herz gelegt. Wie schon bei den in der Vergangenheit erschienenen Reiseführern zu Innsmouth, Arkham und Dunwich handelt es sich um eine streng limitierte Auflage (meistens 100, maximal 150 Exemplare). Da etwa die Hälfte der Auflage an die Abonnenten des Verlages geht, sind die wenigen in den freien Verkauf gelangenden Exemplare in der Regel sehr begehrt. Ein echtes Schmuckstück für Fans und Sammler also. Die Bücher werden aufwendig gestaltet und mit zahlreichen Zeichnungen und Illustrationen versehen werden. Vorbestellungen nimmt der Verlag ab sofort entgegen. Es gilt: Nur solange der Vorrat reicht!
 
 
p. s.: Was sagt eigentlich der Meister H. P. Lovecraft selbst über die von ihm ersonnene Stadt?
Dann sah ich Kingsport hinter dem Hügelkamm ausbreiten, mit seinen alten Wetterfahnen und Kirchtürmen, Firstbalken und Kaminaufsätzen, Werften und kleinen Brücken, Weiden und Friedhöfen, endlosen Labyrinthen steiler, schmaler, verwinkelter Straßen und dem schwindelerregenden kirchgekrönten Mittelgipfel, dem die Zeit nichts anhaben kann; endlose Irrgärten von Kolonialhäusern, in allen Winkeln und Höhenlagen angehäuft und zerstreut, wie die durcheinandergeworfenen Spielklötze eines Kindes …“ (Das Fest)
 
 
LESEPROBE:
 
Regen prasselte gegen die Scheiben.

Ich schloss die Augen, atmete durch die Nase ein und inhalierte den beruhigenden Duft von Leder und edlen Hölzern. Nahezu geräuschlos federte der Wagen über Kopfsteinpflaster, das seit Jahrhunderten die Straßen der Stadt bildete. Einer Stadt, deren Zeit abgelaufen schien. Bei der das Verfallsdatum bereits seit Längerem überschritten war und auf deren Oberflächen neben dem Staub vergangener Zeiten erste Schimmelsporen sichtbar wurden. Einer Stadt, in der die alten Schauergeschichten noch heute lebendig sind und es wohl bis zum jüngsten aller Tage sein werden.

Steingraue Fassaden huschten vorbei. Verlassene Häuser, in denen nur die zurückgelassenen Gardinen der im Laufe der Zeit Weggezogenen oder Verstorbenen die Illusion von Leben aufrechterhielten. Trotz der geschlossenen Wagenfenster nahm ich den in der Luft hängenden öligen Fischgeruch wahr, der sich an manchen Tagen noch immer wie eine Dunstglocke über Kingsport legt.

Beinahe wie zu jener Zeit, als die Fischer in den Gewässern vor Doyle’s Rock und Hog Island noch reiche Beute machten, die sie allmorgendlich im Hafen anlandeten. Beobachtet von nach Fischabfällen gierenden Seevögeln sowie den alten Männern, die sich zu Würfel- und Kartenspielen in den Hafenspelunken entlang der Kaimauer versammelten, um das eine oder andere morgendliche Bier oder zähflüssigen pechschwarzen Kaffee zu trinken.

Ein Schlagloch versetzte meiner Wirbelsäule einen heftigen Stoß.

»Nicht so schnell, Taylor. Das machen meine alten Knochen nicht mehr mit.«

Mit einem flüchtigen Blick in den Rückspiegel erwiderte mein Chauffeur: »Sehr wohl, Sir. Bitte entschuldigen Sie.«

Ich vernahm das leise Ticken des Blinkers, als der Wagen in die zu dieser Jahreszeit von blattlosen Bäumen gesäumte Allee einbog. Der uralte Friedhof zu unserer Rechten verschwand hinter Kaskaden dichten Regens. Nachdenklich betrachtete ich die schwarzen Felsen, und ehe ich mich versah, begaben sich meine Gedanken auf eine Zeitreise ...    

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