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London, Olympische Spiele & U-Bahn-Horror

Veröffentlicht in Blog

Die Londoner U-Bahn (The Tube) ist die vielleicht berühmteste und gleichzeitig älteste U-Bahn der Welt. Unzählige Mythen und Schauergeschichten ranken sich um die alten Tunnelsysteme, die im Jahr 1863 erstmals in Betrieb genommen wurden.
 
Am Tag der Eröffnung rechnete man mit über 30.000 Fahrgästen. Über derartige Schätzungen können wir heute lediglich schmunzeln: Während der Olympischen Spiele vom 27. Juli bis zum 12. August 2012 werden in der London Tube mehr als 1.000.000 Fahrgäste erwartet. Täglich. Natürlich wurde das unterirdische Schienennetzwerk in den letzten beinahe 150 Jahren weiterentwickelt. Beispielsweise die über 400 Rolltreppen, von denen früher etliche aus Holz bestanden - bis es 1987 zu einer Brandkatastrophe kam, bei der 31 Menschen starben.  Manchmal muss eben erst ein Unglück geschehen, bevor eine Veränderung eintritt. Kommt uns das bekannt vor? Aber trotz der Verbesserungen und Modernisierungen: ein Gefühl der Beklemmung bleibt.
Bei meinem letzten Besuch in London hatte ich bereits die Idee zu meiner Kurzgeschichte mit dem Titel Aldwych Station im Kopf und achtete auf dem Weg zu der tief unter der Erde liegenden Plattform ganz bewusst auf die mich umgebenden Geräusche, Gerüche und die aufkommenden Gefühle.

So stand ich auf der Rolltreppe (es gilt: links gehen, rechts stehen!) und der heiße Wind blies mir ein Geruchswirrwarr aus Burgerking-Futter, Coffee to Go, Schweiß, Urin und abgestandener Tunnelluft ins Gesicht. Außerdem machte mich das Getuschel der mich umgebenden Menschenmassen irgendwie nervös. Musik drang scheinbar aus dem Nichts an mein Ohr und verlor sich irgendwo in den langgezogenen Betongängen. Die Wände waren über und über mit Plakaten zugekleistert, der Großteil bis zur Unkenntlichkeit vergilbt. Stumme Bilder zeigten Portraits vermisster Teenager, von denen die meisten wohl auf Nimmerwiedersehen im Londoner Drogensumpf versunken oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen waren. Der Gedanke daran, dass vermutlich die wenigsten von ihnen jemals wieder lebendig auftauchen würden, machte mich traurig.

Ja, diese London Tube ist definitiv gruselig. 
 
Insbesondere, wenn man beginnt, darüber nachzudenken. Ich fühle mich dort unten nie wohl. Weniger, weil ich mich vor Gespenstern fürchte, sondern vielmehr, weil ich jedes Mal denke, der verdammte Blechwurm könnte in einer dieser alten, niedrigen Tunnelröhren steckenbleiben. So viele Meter unter der Erde - ausgestattet mit einer Klimaanlage aus dem Mittelalter.

Insofern schreit diese Umgebung unentwegt danach, dass jemand eine Geschichte über sie schreibt.

Allen, die sich während der Olympischen Spiele, aber auch davor und danach, durch die engen Röhren quetschen, wünsche ich viel Spaß und eine gute Reise! Vor allem aber wünsche ich euch allen, dass ihr nicht so viel Pech habt, wie Jack und seine hübsche Freundin Sam in meiner Grusel-Story Aldwych Station - diese spielt, passend zum Thema, ebenfalls im Londoner Untergrund.

Und das, was den beiden dort unten widerfährt, wünsche ich wirklich niemandem.
 
p.s.: 
Die Kurzgeschichte Aldwych Station ist auch auf Englisch und als Deutsch/Englisch-Version erhältlich.

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