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Bücher schreiben ist wie „schwanger sein“!

Geschrieben von Tim Svart.

Ja, ich bin ein Mann. Nein, auch als zweifacher Vater habe ich nicht den blassesten Schimmer, wie es wirklich ist, schwanger zu sein. Und dennoch erlaube ich mir einen derartigen Vergleich. Wieso das?

Sätze wie „Jedes Buch beginnt mit dem ersten Wort“ oder „Wie schreibt man ein Buch – Ein Wort nach dem anderen“, sind jedem hundertfach begegnet, der sich auch nur ein einziges Mal mit dem Thema Schreiben beschäftigt hat. Wie aber komme ich ausgerechnet zu dem oben genannten Vergleich? Nun, ich will versuchen, es zu erklären:

Am Anfang steht die Idee: Wir wollen ein Baby! Nicht anders geht es mir als Autor. Ich stelle fest: Ich möchte (noch) ein Buch! Natürlich kann so etwas auch ungeplant und spontan passieren, aber gehen wir an dieser Stelle einmal vom sogenannten „Normalfall“ aus. In diesem folgt nun eine mehr oder weniger lange Phase der Ideenfindung und Konzeptentwicklung. Das ist in gewisser Weise analog zu – na ja, das könnt ihr euch wahrscheinlich denken.

Bestenfalls ist es dann irgendwann so weit: Wir sind schwanger! In diesem Fall mit einer (hoffentlich) guten Idee. Was folgt, ist ein mehrere Monate dauernder Prozess einsamen Arbeitens. Aus einem kleinen Zellhäufchen weniger Worte entstehen die ersten Sätze. Gleichzeitig entwickelt sich das Rückgrat des Buches (Struktur, Kapitel, etc.).

In dieser Phase bin ich weitgehend alleine – mit mir und meinem langsam heranwachsenden „Baby“, das sich allmählich entwickelt. Doch je weiter die Arbeit voranschreitet, desto mehr finden erste Sorgen in mir einen Nährboden: Geht es meinem „Baby“ gut? Ist alles in Ordnung? Entwickelt es sich so, wie es soll? Oder bin ich gerade dabei, ihm irreparable Schäden zuzufügen, die ich hinterher nicht mehr korrigieren kann? Und: War die Idee - ein Buch zu schreiben - eine gute? Oder hätte ich es vielleicht doch besser gelassen? Bin ich überhaupt in der Lage dazu? „Werde ich ein guter Vater sein?“ Zweifel dieser Art wachsen proportional zur Entwicklung des Buches.

Parallel beginnt ein Prozess, der jeder werdenden Mutter und jedem währenden Vater vertraut sein dürfte: Die Namensfindung. Wie soll mein (unser) Baby heißen? Hier habe ich als verlagsfreier Autor einen klaren Vorteil gegenüber Autorenkollegen und werdenden Eltern: Mir redet niemand rein! Ich muss mit niemandem streiten und versuchen, ihm seine – mir vollkommen missfallenden – Namensvorschläge auf möglichst sozialverträgliche Art und Weise auszureden.

Auf der andere Seite bedeutet das aber auch: Ich bin ganz alleine für das Resultat verantwortlich. Eine große Bürde, denn schließlich möchte ich keinen XXX (Name gestrichen) oder keine XXX (Name gestrichen) zur Welt bringen, der oder die schon aufgrund des Namens ein Außenseiterdasein fristen muss. Und ähnlich wie bei einem Baby gilt auch hier: Das Recht, einen Vornamen zu vergeben, ist einmalig und nach Festlegung des Namens verwirkt. Meistens ändert sich der gerade favorisierte Name während des Schreibprozesses das eine oder andere Mal – ebenfalls ein Phänomen, das vielen werdenden Eltern bekannt sein dürfte.

Nach einer Schreibphase von etwa sechs Monaten, folgt der Endspurt: Die nächsten drei Monate vergehen mit Überarbeiten, Korrigieren, Lektorieren, Cover-Design, etc. …

An dieser Stelle noch ein kurzes Wort zum Cover: Dieses spielt eine wichtige Rolle, denn schließlich soll das Baby – sobald es das Licht der Welt erblickt – sein Leben nicht dauerhaft im Adamskostüm verbringen. Und da Bücher ihre einmal angelegte Kleidung nur selten wechseln, will die Wahl des Outfits gut überlegt sein.

Was nun (nach mehr oder weniger neun Monaten trauter Zweisamkeit mit meinem „Baby“) folgt, ist ohne Zweifel der Höhepunkt: Die anstehende Geburt! Im Falle des Buches bedeutet dies, das Ebook ist im Shop hochgeladen, das Taschenbuch steht (bestenfalls) ebenfalls in den Startlöchern und beide warten auf die endgültige Veröffentlichung.

Das ist die Phase, in der sich meine Nervosität beinahe stündlich steigert. Immer wieder stelle ich mir dieselben Fragen: Habe ich alles richtig gemacht? Ist mein „Baby“ wirklich schon bereit? Habe ich einen guten Namen und das richtige Outfit gewählt? Kurz: Wird mein geliebtes Baby in der Welt da draußen bestehen? Kommt es zurecht? Wird es viele Freunde finden?

Fragen, die mich jetzt beinahe rund um die Uhr beschäftigen. Doch am Ende bleibt mir nicht mehr, als die Daumen zu drücken. Ich habe mein Bestes gegeben und wünsche meinem „Baby“ alles erdenklich Gute! Möge es die Welt da draußen für sich erobern! Ich habe getan, was ich konnte – jetzt liegt es an ihm, erwachsen zu werden!

 

 

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